Erweiterung 1-Phasen ESS System (MultiPlus-II 48/5000/70-50)

Hallo zusammen.

Ich habe hier in den verschiedenen Beträgen bereits einiges zum dem gelesen, was auch ich vorhabe –> eine Erweiterung eines 1-Phasen ESS Systems auf eine weitere Phase. Jedoch bleiben ein paar Fragen offen :wink:

Stand heute sieht meine Anlage wie folgt aus:

  • Das Hausnetz ist so angepasst worden, dass es einen 3-Phasen Teil und einen 3x1-Phasen Teil gibt.
    • da der 3 Phasen Teil dem Standard eines deutschen Haushalten entspricht, gehe ich hier nicht weiter drauf ein
    • Alle 1-Phasen Verbraucher werden durch separate 1-Phasen Fi abgesichert und der Neutralleiter wird pro Phase separat geführt
    • Die Verbraucher wurden so aufgeteilt, dass die “Dauerläufer” und bei einem Stromausfall notwendigen Verbraucher alle auf L1 geführt werden
    • Der L1 wird via einem MultiPlus-II 48/5000/70-50 und 4x Pylontech US2000C als ESS System betrieben. Gesteuert durch einen Cerbo-GX
    • Die PV-Module speisen via Inverter (8x 800W Inverter) direkt in das 230V Netz ein.
      • L1 –> 3x 800W
      • L2 –> 3x 800W
      • L3 –> 2x 800W

Im Sommer würden wir gerne eine 1-Phasen Klimaanlage via L2 an unser Haussystem anbinden. Aus dem Gründ würden wir dann auch gerne die Anlage so erweitern, dass wie derzeit für den L1 wir auch für den L2 ein ESS System installieren.

Um uns auch ggf. für einen späteren Zeitpunkt alle Optionen offen zu halten, würde ich gerne bei den sich bereits bewehrten Komponenten bleiben wollen:

  • 1x MultiPlus-II 48/5000/70-50
  • 2x Pylontech US5000C

Ich hatte gelesen, dass man man den bestehenden Cerbo-GX auch weiter verwenden kann um damit dann auch das zweite System zu steuern.

Aus den gelesenen Beiträgen habe ich entnommen, dass diese Erweiterung möglich und erlaubt ist. Was bei mir noch nicht ganz klar ist - einige Sprechen von einer Phasenverschiebung von 120° - andere von 240° und wieder andere von 180°. Muss ich das vorgeben - oder führt mich ein Assistent durch das Menü und stellt das für sich alles richtig ein?

Gibt es ggf. noch etwas bei der Erweiterung zu beachten?

PS: Da Victron und PV-Systeme im Allgemeinen für mich eher Neuland sind, würde ich mich freuen, wenn ich das bei euren Antworten mit berücksichtigen würdet :wink:

Vielen Dank vorab

Willst du zwei getrennte und völlig unabhängig laufende Systeme oder ein gemeinsames?

Bitte poste hier doch mal eine Skizze deines bisherigen Systems.
Mit der Hand gezeichnet und abfotografiert reicht.
Danke

Was ist der vor oder Nachteil von einem System das L1 und L2 unterstützt oder von zwei Systemen die zwar auch L1 und L2 bedienen - aber jedes separat ist? Kurzer Hinweis noch - die Pylontech Speicher sollen jeweils “fest” dem entsprechenden MultiPlus zugeordnet sein. Also wenn das ESS auf L1 keine Akku mehr hat - dann hat es keine Akku-Power mehr :wink:

Das aktuelle System sieht so aus:

Die Module speisen einen Inverter der direkt auf 230V umsetzt. Alle Energie die zu viel im eigenen Netz ist, wird via MultiPlus an die Pylontech Systeme weitergegeben. Sind die voll - geht es an den Netzbetreiber.

Zwei getrennte Systeme brauchen 2x GX Gerät (über ein GX kannst du nicht zwei ESS laufen lassen), 2x Akku und auch 2x Netzsensor (jedes System muss für sich genommen auf L1 sein, also das was am Sensor L1 ist).
So laufen die dann auch unabhängig voneinander.

Wenn du auch L3 unterstützen willst, könnte das so evtl. zu Problemen kommen, weil das ja beide machen wollen, auch bei der Ladung mit PV Überschuss könnte das System ungewollt “schwingen”.
Lässt sich aber schwer sagen, so ein System ist eher ungewöhnlich.


Bei einem System reicht 1x GX Gerät und 1x Netzsensor, du musst aber auch die Akkus zusammenfassen.
Wenn ein Multi ausfällt, geht auch der andere mit aus.

Das wäre das günstigere und vermutlich auch besser zu “beherrschende” System.

Für das deutsche 3-phasige Netz wäre 120° (L1 zu L2) bzw. 240° (L1 zu L3) das richtige.
Wir haben ja 3 Phasen mit je 120° = 360°.
180° wäre Splitphase in den USA z.B.


Hast du denn oft bzw. erwartest du oft für längere Zeit Lasten von mehr als 4000W (Leistung eines 5000er MP)?

Im Sommer, wenn die Klima läuft, scheint ja auch meist die Sonne, da hast du ja im Grunde 10kW zur Verfügung, also 1x 4kW vom Multi und die 8x 800W.
(ausgehend davon, das die Inverter so belegt sind, das diese auch die 800W bringen können)

Danke für die Rückmeldung.

Ich glaube die Option das Ganze als ein System - also nur mit einem Cerbo-GX umzusetzen, gefällt mir am besten. Ja, wenn der eine Cerbo in die Knie geht, dann steht die ganze Anlage - aber dann müsste ich auf “bypass” stellen und hätte immer noch die Inverter die direkt einspeisen - so lange das Provider-Netz noch da ist. Anyway - es muss ja auch noch bezahlbar bleiben :wink:

Zu deiner Frage mit den mehr als 4.000 Watt. Ich gehe davon aus, dass sich das auf den Zustand bezieht, wenn dass Provider-Netz weg ist. Das “Grundrauschen” liegt bei ca. 450W (permanent) auf L1. L2 und L3 liegen bei unter 30W (Grundrauschen). Wenn man also im “Notbetrieb” ist, recht es bei nur Akku Betrieb in jedem Fall für die Mikrowelle oder den Backofen :wink: Kommt die Sonne noch mit dazu, könnten auch noch weitere 2.000 Watt hinzukommen. Diesen Sommern hat sich das 1-Phasen System (also ein MultiPlus auf L1) zu 80% selber versorgt.

Wenn nun dieses Jahr eine Klimaanlage mit 2 bis 3.000 Watt hinzukommt auf L1, gehe ich auch von einer Sättigung von ca. 70-80% aus, da man ja eine Klimaanlage nur einschaltet wenn es zu viel Sonne gibt.

Hinweis - über einen manuellen Umschalter, kann ich die Inverter die für L3 vorgesehen sind auch auf L2 “umlenken”. Somit kämen dann (zumindest auf dem Papier) noch 2x 800W hinzu. Was dann in jedem Fall auch für eine 3.000 Watt Klimaanlage reichen sollte.

Noch einmal kurz auf die 120° Phasenverschiebung zurück kommend. Da führt mich ein Assistent durch das Menü oder muss ich die richtigen stellen selber finden :wink:

Da in D die Netzzähler idR saldieren, ist es egal auf welcher Phase du Verbraucher und auf welcher Erzeuger hast.
Am Zähler zählt die Summe aus Verbrauch/Erzeugung.
Also den MultiPlus (+Akku) auf L1 kann auch Verbraucher auf L2 und L3 unterstützen.
Voraussetzung ist ein Netzsensor, der auch mit dem Victron System kommuniziert.

Ich empfehle dir da nochmal die ESS Anleitung durchzulesen.

Die Phasenverschiebung wird bei der Konfiguration eingestellt werden, auch dazu gibt es Anleitungen.

Wie Matthias schrieb sind die Zähler in DE saldierend. Der MP2 auf L1 versorgt rechnerisch auch L2 und L3.
Klima kühlt in Sommer wenn deine AC-PV liefert. Klima kann in Übergangspjase (März-Mai, September) heizen, wenn ebenfalls die AC-PV liefert.
D.h. ein einziger MP2 5K wird wahrscheinlich auch mit Klima weiter 80%+ Deines Stroms decken.

Ich würde den Akku aufrüsten um nachts die Klima zu versorgen.

Wenn Du bei Stromausfall mehr Leistung haben möchtest, dann nimm direkt 3 MP2. Das macht es einfacher.
Ich Stand vor derselben Frage und haben dann direkt drei MP2 verbaut.
Die AC-PV kann dann auch mit 10,5kW (3x MP2 5K) den Akku laden. Dann brauchst Du eh einen größeren Akku.

Danke für die Rückmeldung. Das die Zähler saldieren ist für den Normalbetrieb klasse und war bekannt. Das Aufteilen der Verbraucher bezieht sich mehr auf den Ausnahmefall - also wenn der Netzbetreiber nicht mitspielt.

@BjoernK + @M_Lange : Wo ich gerade darüber nachdenke. Wie verhält es sich denn bei Thema Zähler und saldieren, wenn der folgende Fall vorliegt?

  • Es ist Abend - somit kein PV-Strom
  • L1 500 Watt Verbraucher
  • L2 500 Watt Verbraucher
  • Auf L1 ist der MultiPlus als ESS System mit einem Akku der auch in der Lage ist 1000 Watt zu leisten.

Nach meinem bisherigen Verständnis stellt des ESS System auf L1 die 500 Watt aus dem Akku zur Verfügung - und die anderen 500 Watt (die auf L2) werden direkt vom Provider bezogen. Somit würde am Zähler eine Belastung (in Euro) für mich entstehen.

Das ganze würde aus meinem Verständnis erst im Tagesbetrieb (also bei Sonne) zum Null-Summen Spiel, wenn die Inverter auf L1 mehr Energie leisten als im Stromkreis L1 benötigt wird und somit das mehr (weil der Akku voll ist) an dem Provider übergeben würden. Wenn der Inverter auf L1 also 1000 Watt abgibt, würde der Zähler eine Saldierung (L1 = 500 und L2 =500) durchführen - somit “Nullen”.

Richtig oder falsch - und wenn falsch - wo ist der Denkfehler :wink:

Nein, da irrst Du Dich. Ein Irrtum übrigens, der mir ständig begegnet.

Wenn Du auf L1 und L2 jeweils 500 W verbrauchst und das ESS auf L1 1000 W einspeist, dann hast Du bilanziell null Bezug und musst auch nicht für Bezug bezahlen. Real hast Du dann natürlich auf L1 500 W Einspeisung und auf L2 500 W Bezug, aber weil Dein Zähler (von Gesetzes wegen!) saldierend ist, spielt das für Dich keine Rolle.

Aber bzgl Deiner geplanten Erweiterung habe ich zunächst andere Fragen: Wie ist denn Dein Lastprofil, um die Mehrkosten für den zweiten Multiplus zu rechtfertigen? Warum planst Du so wenig Akku-Kapazität?

Nach meinen Erfahrungen reicht den allermeisten Nutzern ein 1phasiges System mit einem MP2-5000 dicke aus. Das reicht auch, um den Durchschnittsverbrauch mit Laden eines oder zweier E-Autos zu decken, und den Verbrauch einer Wärmepumpe für das Heizen eines durchschnittlichen Haushalts. Wie oft hast Du denn mehr als 4,6 kW Last im Haus?

Nimm lieber einen Akku mit 16 kWh oder sogar 32 kWh, die gibt’s in sehr guter Qualität zu sehr kleinem Preis beispielsweise von NKON.nl. Damit hast Du auch ausreichend Akkukapazität zum nächtlichen Laden von ein bis zwei E-Autos, und für das zeitversetzte Einspeisen des Überschusses von 10 kWp oder mehr Solar.

Das Verhalten ist, wie von Tom beschrieben wenn

  • saldierender Zähler verwendet wird und
  • Im ESS „alle Phasen“ konfiguriert ist

Mann kann auch „einzelne Phase“ einstellen. Dann rechnet nur das ESS anders.
In DE werden vom Netzbetreiber Phasen-saldierende Zähler eingesetzt. Wenn Du z.B. ein Hausboot an der Elektrik einer Marina hast, kann es sein, dass die Marina (nicht der Messstellenbetreiber) keinen saldierenden Zähler bereit stellt. Das ist aber ein Sonderfall.

Daher auch meine Empfehlung:
Entweder einen MP2 mit Notstrom-Steckdose oder direkt 3 um ganzes Haus mit Ersatzstrom zu versorgen. 2 MP2 machen keinen Sinn, da kompliziert und nur wenig günstiger (ca 700 EUR inkl Kabel).

Das wird auch in der ESS Anleitung beschrieben, die ich oben verlinkt habe.
Bitte mal durchlesen, so verstehst du besser wie dein System Funktioniert.

Aktuell funktioniert das vermutlich nicht so, weil dir offensichtlich noch der dafür notwendige Netzsensor fehlt (EM540 oder VM-3P75CT).

Du könntest also mit einer Investition von 100-200€ dein System schon deutlich effizienter machen.

Auch da ist vermutlich eine fehlerhafte Installation. Deine PV-WR können 8 x 800 W, also 6,4 kW ins Netz speisen, aber Dein vorhandener MP2-5000 kann nur maximal 70 A, also ca 3,4 kW in den Akku laden. Aber vielleicht hast Du ja deutlich weniger als die maximalen 6,4 kWp an Solarmodulen an diesen PV-Wechselrichtern hängen.

Lass’ am besten nur die maximal 3,4 kW durch PV-WR über den MP2 in den Akku laden, und den Rest direkt über MPPTs.

Wenn Du doch auf 3x MP2 5K gehst, schau Die meine Systemvorstellung an. Da sind ein paar Details wie 1-0-2-Umschalter benannt.

BTW. Ich habe ebenfalls überwiegend 1-phasige Mikrowechselrichter verbaut, da ich damit meine sehr schlechte Situation bzgl Schatten manage. Ansonsten hätte ich jeweils zur Hälfte AC-PV und MPPTs verbaut. AC-PV für effiziente Direktnutzung z.B. E-Auto und MPPT für effiziente Batterie-Laden und Schwarzstart-Fähugkeit.

Vielen Dank erst mal für die vielen Informationen - die muss ich mir erst einmal in Ruhe durchlesen :wink:

Danke für die Rückmeldung - ich glaube jedoch, dass man hier etwas differenzieren muss.

Da ich keinen von Victron unterstützen (3-Phasen) Energiezähler im Einsatz habe, übernimmt der MultiPlus (auf L1) hier die Steuerung wann was geladen wird - bzw von wo - nach wo die Energie geleitet wird. Somit bekommt der MultiPlus auch nicht mit, ob eine andere Phase (L2 + L3) belastet wird oder nicht. Somit wird nach meinem Verständnis die Leistung aus den Akkus exklusiv den Verbrauchern auf L1 zur Verfügung gestellt.

Erst mit einem (3-Phasen) Energiezähler der von Victron unterstützt wird, lässt sich dieser “Energieausgleich” darstellen:

Ich denke der entscheidende Unterschied ob auch bei Einphasen-Systemen ein “Nullsummenspiel” funktioniert, hängt von dem Energiezähler ab - ob integriert oder nicht. Mal schauen - vielleicht stelle ich das morgen auch einmal LIVE nach.

Aber Danke in jedem Fall, mir war nicht bewusst, dass mit einem integrierten Energiezähler auch bei einem Einphasen-System ein “Nullsummenspiel” möglich ist.

Als ich vor ca. 1,5 Jahren mit den ersten Bestandteilen der Anlage angefangen habe, bin ich von einem Energiebedarf von 8 bis 12 kWh pro Tag ausgegangen.

Im Wechsel habe ich dann über ein Jahr geschaut, in wie weit das für mich passend ist und habe Inverter und Akkus so angepasst, dass ich damit i.d.R. 80% meiner Energie selber decken kann. Deshalb auch die 3x 800W Inverter die L1 speisen.

Wie oben geschrieben, ist für 2026 eine Klimaanlage geplant - die ich gerne mit der Sonne “subventionieren” möchte - bzw. noch ein paar Verbraucher die ich ebenfalls damit abfangen möchte.

Auch hier sind wieder 3 Inverter mit jeweils 800W geplant die direkt L2 speisen - bzw. die überschüssige Energie in den beiden Pylontech us5000C speichern. Auch hier gehe ich davon aus, dass sich 70 bis 80% der Energie “subventionieren” lassen.

Wenn ich die 6 Inverter (=4.800 Watt) alle auf eine Phase hänge, dann kommt das bestehende System aus meiner Sicht an seine Grenzen. Ich würde lieber den Weg der soliden Verteilung wählen - mit entsprechendem Puffer (z.B. für ggf. noch einen Inverter).