Hallo zusammen,
nach längerer Pause ein größeres Update - das Projekt ist inzwischen fertig durchgeplant, und bevor ich baue, hätte ich gern nochmal eure kritische Meinung. Vorweg: Das Konzept hat sich gegenüber meinem ursprünglichen Plan deutlich verändert (Achtung, im Victron-Forum fast Ketzerei: der MultiPlus ist rausgeflogen - Begründung unten).
Was seit März passiert ist: E & P, Mover und ATC sind verbaut, die Solartasche WS340SF am SmartSolar 100/30 läuft. Und dann kam der Auslöser für die Ursachenforschung: Die 55-Ah-Werks-AGM ist tiefentladen gestorben. Ich habe mir daraufhin die Fendt-Schaltpläne angeschaut und den Grund gefunden: Das SMP301-07 lädt die Batterie nicht direkt, sondern speist nur das Bordnetz - die Batterie hängt über ein HELLA-Trennrelais am selben Netz, das vom Hauptschalter im Kleiderschrank geschaltet wird. Schalter aus = Batterie ist eine Insel = kein Laden trotz Landstrom. Schalter an = die Relaisspule zieht und die Batterie wird geladen. Dies war bei meinem alten Fendt anders und es wurde mir beim Kauf leider nicht erklärt.
@steffen-graap: Dein Einwand von damals (BatteryProtect spannungsbasiert + flache LiFePO4-Kurve = Mover-Reserve funktioniert so nicht) hat das Konzept mitgeprägt - Danke dafür! Deine Idee mit der zusätzlichen dicken Ladeleitung zum Auto habe ich bewusst verworfen - wir laden nur über Solar + Landstrom, der Aufwand lohnt für unser Fahrprofil nicht.
Das finale Konzept (Leichtbau, 1800 kg zGG):
Warum kein MultiPlus mehr: Unser 230-V-Bedarf ist klein und sporadisch (Kaffeemaschine & Kleinkram). Ein fest verbauter Inverter + große Batterie kostet Gewicht und Geld für einen Seltenheitsfall. Stattdessen: mobile Powerstation (Anker C1000X Gen 2, 1 kWh / 2000 W, 9,5 kg) - die kann auch mal mit ins Auto. Victron bleibt beim Laden/Schützen: Blue Smart IP22 12/20 + SmartSolar 100/30 (Bestand) + BatteryProtect 65.
Batterie: LiTime 12V 140Ah Bluetooth mit echtem 150-A-Dauer-BMS (700 A/1 s) - das BMS ist bewusst nach dem Mover dimensioniert (120 A Peak, unter Last länger nahe 100 A), nicht nach der Kapazität. SoC-Überwachung über die Batterie-App.
Topologie:
Batterie (+) -> MRBF 150A direkt am Pol -> Batterie-Hauptschalter ("Knochen")
Dahinter teilt es sich wie folgt auf:
1. Mover und E&P: direkt angeschlossen, gemeinsamer Trennschalter, keine Automatik im Pfad
2. SmartSolar MPPT 100/30
3. 12-V-Hauptleitung (10 mm², unter dem Boden) zum Kleiderschank und dort:
3a. IP22-Lader (bewusst VOR dem BatteryProtect angeklemmt)
3b. BatteryProtect 65 -> Blue Sea 5026 (alle Werkskreise 1:1 übernommen)
Die drei Kernregeln:
- Beide Ladequellen sitzen VOR jedem Trennorgan → Laden funktioniert in jedem Zustand, auch bei getrenntem BP oder Schalter aus - der Fendt-Deadlock ist damit strukturell unmöglich.
- Mover + E&P ohne jede Automatik im Pfad - nur Sicherung + manueller Knochen, letzte Instanz ist das BMS. Die Reserve ist physisch, nicht spannungsbasiert.
- Der BP-65 dient nur noch als grobe Notbremse gegen Tiefentladung (Abschaltung bei 11,8 V). Ein- und ausgeschaltet wird der Wohnraum über seinen Remote-Eingang, und daran hängen zwei Kontakte parallel: der vorhandene Kleiderschrank-Schalter und ein kleines Relais mit 230-V-Spule. Liegt Landstrom (oder die Powerstation) an, zieht das Relais und der 12-V-Wohnraum läuft immer - wie ab Werk, egal wie der Schalter steht. Ohne 230 V entscheidet allein der Schalter.
230-V-Einspeisung: Landstrom über die Außen-CEE oder Powerstation über eine neue Innen-Einspeisedose im Kleiderschrank - dazwischen ein allpoliger Quellen-Umschalter 1-0-2, damit nie zwei Quellen parallel liegen und die nicht gewählte Dose (v. a. die Außenstifte!) garantiert spannungsfrei ist. Da die Powerstation erdfrei arbeitet (floating), wäre der Fahrzeug-FI sonst blind → Einspeisung über ein PRCD-S-Kabel mit N-PE-Brücke (die einzige im System).
Kühlschrank auf der Fähre: gestrichen. Wir kühlen vor.
Meine Fragen an euch:
- Powerstation statt MultiPlus 12/800 - übersehe ich einen Haken, den ihr aus der Praxis kennt
- Hat jemand Erfahrung mit inseltauglichen PRCD-S-Einspeisekabeln (N-PE-Brücke) an einer floatenden Powerstation - funktioniert die FI-Prüfung damit zuverlässig?
- Die BP-65-Remote-Logik (Schalter parallel zu einem 230-V-Relais): Einwände oder elegantere Lösungen?
- Praxiserfahrungen mit der LiTime 140Ah (150-A-BMS) am Mover?
- Habe ich grundsätzlich etwas übersehen?
Danke euch!!!
Viele Grüße
Marc