Eebus auf dem Cerbo

In absehbarer Zeit werden wird das Problem haben, daß unsere VNBs anstelle der Rundschaltempfänger die neuen FNN Steuerboxen und damit auch den EEbus ausgeliefert kriegen. Hier sind in Deutschland zwei Anwendungsfälle relevant:

für EEG §9 ist das der Use Case LPP - Limit Power Production

für EnWG §14a ist das der Use Case LPC - Limit Power Consumption

Leider lässt sich das für Victron kaum allgemeingültig lösen, da Leistungsgrenzen und Verhalten von der Installation und wahrscheinlich auch noch vom VNB abhängig sind. Zwischenzeitlich gibt es aber verschiedene kommerzielle und freie Pakete welche das EEbus Protokoll abwickeln können.

  1. von Bosch - Rexroth bzw. Wago der EEbusConnector. Läuft auf einem angepassten Linux “CntlX” oder auf einem Software Simulator unter Windows. Der Eebus ist derzeit nur für ARM Hardware getestet. Ist insofern aber uninteressant, weil es ein kommerzielles kostenpflichtig und kopiergeschützes Programm ist. Die Bosch Controller sind schon als Einstiegsmodelle ziemlich gebührenpflichtig zzgl. Software Lizenzen weshalb ich auf jeden Fall einen sowieso vorhandenen Cerbo oder Ekrano favorisieren würde. Das System setzt hauptsächlich auf Codesys, aber selbst das ansonsten freie NodeRed kostet dort ebenfalls extra weshalb ich das möglichst nicht anfassen möchte.

  2. Das Open Source Paket EVCC welches grundsätzlich eigentlich auch unter Venus laufen sollte. Dieses greift für den EEbus auf den freien EEbus Stack zurück. Beides ist in Go geschrieben und man sollte es eigentlich auch problemlos für Venus compilieren können. Soweit ich mitgekriegt habe, hat der Autor des Stacks “Andy” früher zufällig auch bei oder für Bosch gearbeitet.

Nachdem das Large Image ja auf NodeRed setzt, gibt es für EVCC mit Ausnahme der EEBUS Kommunikation unter Venus eigentlich wenig Bedarf. Hat das trotzdem schon mal jemand ausprobiert?

Mein Ziel wäre es, einen EEbus Node für NodeRed zu basteln, welcher möglichst den vorhandenen Protokoll Stack nutzt, bzw. zusätzlich auch den für LPC und LPP relevanten Use Cases abgespeckten Code aus EVCC verwendet. Dieser Node sollte dann unter NR idealerweise so einfach und komfortabel wie etwa existierende Nodes für Modbus oder andere Protokolle einzusetzen sein.

Ich bin da nicht so tief in dem Thema drin, wurde der EEbus denn mittlerweile offiziell als Schnittstelle für die Umsetzung von §14a EnWG und §9 EEG festgelegt?

Ich denke für Victron sollte es relativ einfach sein, das im Venus OS zu integrieren, nur wird sich Victron vermutlich nicht großartig damit befassen, solange es da keine eindeutige Festlegung gibt.

Das EnWG und das EEG hält sich als Gesetzgeber bei der Implementierung natürlich fern. Fakt ist daß wir beide Gesetze haben und diese aktuell mehr oder weniger alle Anlagen ab 4,2kVA Bezug und 7kVA Lieferung betreffen. Ein vollständiges Abschalten der Anlage mit einem Relais ist künftig keine gute Lösung. Die Langwellen Rundsteuerempfänger mit 4 oder 6 Relaiskontakten sind eigentlich technisch veraltet. Ich erwarte auch, daß der Langwellensender in Mainflingen irgendwann abgeschaltet wird, denn die VNBs wollen wohl keine zwei Kommunikationswege parallel betreiben und bezahlen. Die VNBs haben bis zum Jahresende eine Pflichteinbauquote für iMSys. Bei PV Anlagen zählen nur solche Installationen zur Pflichteinbauquote, welche auch mit einer FNN Steuerbox ausgerüstet sind. Ein intelligenter Zähler zählt trotz Gateway mit einem Rundsteuerempfänger nicht zur Pflichteinbauquote. Deshalb ist zu erwarten, daß künftig nur noch FNN Steuerboxen verbaut werden. Viele VNBs werden ihre Pflichteinbauqoute bis Jahresende nicht einhalten können. Die Bundesnetzagentur sieht als Strafe dafür vor, dem jeweiligen Messtellenbetreiber deshalb seine Grundzuständigkeit zu entziehen. Vermutlich passiert das unter Reiche aber auch nicht.

Darüber hinaus gibt es Hinweise von VDE für verschiedene “Steuerungskonzepte”. Wohlwissend, daß der Rest der Welt über Deutschland lacht und deshalb nicht jeder Hersteller EEBUS versteht, sind weiterhin alternative Lösungen mit Relaiskontakten oder “digitaler Schnittstelle” in verschiedenen Ausführungen von VDE wahlweise möglich.

Seite 28,29,30 hat VDE hier jedenfalls 1:1 von der EEbus Initiative abgeschrieben, bzw. sind sowohl VDE wie zwischenzeitlich auch das BSI Mitglieder bei der EEbus Initiative. Es ist davon auszugehen, daß sich die Zählerhersteller und auch die VNBs an den VDE Vorschlägen orientieren, den das FNN (VDE Forum Netztechnik und Netzbetrieb) besteht vorwiegend aus Netzbetreibern, etwas Industrie (sprich Zähler und Zählerschrankhersteller) sowie irgend einem Universitätsprofessor um der Sache einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Die Norminhalte werden von den Forumsmitgliedern abgestimmt, wobei Netzbetreiber pro 1000km Netz eine Stimme bekommen. Wissenschaft und Industrie haben je ein Stimmrecht, können sich aber weitere Stimmrechte gegen Geld zukaufen.

Ob die dabei entstehenden Norminhalte nun für den Anlagenbetrieb nützlich sind und mit der technischen Entwicklung vielleicht sogar zeitgerecht in Kraft treten, sei mit der genannten Vorgehensweise zur Normung mal dahingestellt. Jedenfalls hat VDE seit etwa einem Jahr damit begonnen, den EEBUS in weiten Teilen als Norminhalte zu übernehmen. Viel länger gibt es auch die gesetzlich relavanten Anwendungsfälle LPP und LPC noch nicht. Der schon über 10 Jahre alte EEBUS wurde auch gar niemals dafür konzipiert.

Selbst wenn die Relais auch noch künftig an den FNN Steuerboxen bereit stehen, sehe ich diese Lösung als veraltet an. Der Ekrano hat gar keine 4 (oder gar 5) freien Eingänge zur Verfügung und man müsste diese über einen GX-IO-Extender per USB aufwendig anschliessen. Für den privaten netzdienlichen Akkubetrieb (von welchem wir derzeit gesetzlich, rechtlich, technisch wegen der 15 Minuten Begrenzung noch mehrere Iterationen weg sind) erwarte ich auch, daß die 100/60/30/0% Abstufung durch eine stufenlose Steuerung ersetzt wird. Soweit ich weis, steht die Realisierung der digitalen Schnittstelle in der lange angekündigten VDE-AR-.E 2829-6-1 welche aber vor Erscheinen wegen offensichtlicher Unbrauchbarkeit wieder zurückgezogen wurde.

Es bleibt aktuell also noch die Empfehlung der Bundesnetzagentur bzw. deren Beschlusskammer 6 mit BK6-22-300 welche aber wiederum auf VDE verweist. Komplizierter und unübersichtlicher geht es nicht mehr. Weil niemand weis was zu tun ist, kann im Land der Telefaxgeräte vermutlich bis auf Weiteres alles mit Relaiskontakten angschlossen werden. Eine zeitgemäße oder gar elegante Lösung ist das aber nicht. Einige Wärmepumpenhersteller haben jedenfalls seit Neuesten bereits §14a über EEbus im Verkauf oder können diese Schnittstelle an bestehender HW über ein FW Update bereit stellen.

Ich vermute mal, das eine selbstgebaute Lösung zwar ginge .. aber wohl keine Zulassung bekommt.

Ich denke, das entsprechende Gerät braucht eine entsprechende Zertifizierung.