Autarke Inselanlage mit MP2 - wie erden?

Bevor jemand meckert, dass Anlagenplanung nicht hierhergehört: doch, das gehört sie IMO unbedingt, weil es viele verschiedene Meinungen zum Thema gibt, und ich nicht nur die alleinige Meinung meines Victron-Händlers zur Grundlage der Planung machen möchte. Alles wird beim lokalen Victron-Händler gekauft, und der ist auch involviert. Aber nur andere Meinungen vertiefen das eigene Verständnis.
Und noch was: bitte nicht über Versorgung im Winter und bei Dunkelflauten diskutieren.

Also: Wie sieht das mit der Erdung bei reinen Inselanlagen mit einem MP2-5000 aus? Es geht um die Stromversorgung eines Hauses fernab der Zivilisation.

Geplant ist ein 1phasiges System:

  • PV-Module über GAK und Smartsolar MPPTs
  • 3 x Pylontech 5kWh Akkus parallel
  • Multiplus II 5000 (eventuell auch 8000), alle Verbraucher an AC-out
  • Cerbo GX
  • Hausanschlusskasten mit 2poligem RCD
  • Potentialausgleich über alle Gerätegehäuse, PV-Module und MP2-PE

Geplant ist auch das Setzen eines Erdungsstabs am Haus, um dem FI zu ermöglichen, Fehlerströme erkennen zu können. Aber etliche Leute im Netz meinen, dass man auf den Erdungsstab komplett verzichten kann. Wie ist das denn mit dem Multiplus? Erkennt der eine Insel und verbindet intern N mit PE?

hallo,

staberder in den boden und gut ist. da N und PE verbunden sind, funktionieren sicherungen, wenn nicht zu gross, und fi-schalter problemlos.

die erde leitet dann im prinzip nur ein statische potential ab. dass du ein ac-potential gegen erde hast ist unwarscheinlich, ausser eine phase kommt irgendwie mit etwas in beruehrung, das geerdet ist. da geraete in der regel selbst geerdet sind, koennte sowas nur passieren, wenn der erdleiter unterbrochen ist, das geraet eine verbindung vom L zum gehaeuse, das gehaeuse aus metall ist und mit ausreichender leitfaehigkeit auf dem boden steht!

aber du kannst, anstatt eines FIs auch eine ISO-ueberwachung einsetzen und N und PE nicht verbinden. die ist noch wesentlich empfindlicher als ein FI.

tschuess

Nun, voerst mal: Dies ist meine persönliche Meinung und erhebt keinerlei Anspruch auf Richtigkeit. Für eine ordnungsgemäße Installation samt Erdung ist alleine der ausführende Elektriker verantwortlich!

Ich verstehe nicht ganz den Hausanschlusskasten - du redest ja von einer Inselanlage? Oder meinst du den Hauptverteiler?

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass du den Hauptverteiler meinst. Was die Erdung betrifft, grundsätzlich muss in jeder elektrischen Anlage ein Potentialausgleich (PAS) installiert werden, damit keinerlei elektrisches Potential zwischen den verschiedenen metallischen Anlagenteilen entstehen kann. Ich würde den Erdstab auf alle Fälle setzen und an die PAS anschliessen. Lies dir mal die entsprechende Dokumentatio dazu von Victron durch.

Der MP2 besitzt ein Erdungsrelais, welches bei Netzausfall den N-Leiter mit der Erde verbindet, wie das bei einer reinen Insel funktioniert, weiß ich nicht, ( Doku lesen!) aber ich vermute mal, dass dann der N-Leiter fix geerdet wird. Erst dann gehst du mit dem N-Leiter und der Phase zu dem RCD (FI), N und Erde darfst du danach nicht mehr verbinden!

Anders gesagt, sobald du den N-Leiter des Multis mit der Erde verbindest, entsteht der PEN-Leiter. Diesen PEN-Leiter teilst du dann in einen N-Leiter und einen PE-Leiter auf: einen Draht (zb blau) führst du dann zum RCD (L natürlich auch), einen anderen (gelb-grün) verwendest du als PE.

Ich hoffe, ich habe das auf die Kürze halbwegs verständlich erklärt.

Und nochmals: Dies ist meine persönliche Meinung und erhebt keinerlei Anspruch auf Richtigkeit. Für eine ordnungsgemäße Installation samt Erdung ist alleine der ausführende Elektriker verantwortlich!

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Hi Tom,

schau dir bitte mal die Vorgaben für Erdung, Potentialausgleich und Blitz/Überspannungsschutz bei Gebäuden an. Das ist ein ganz eigenes und nicht so triviales Fachgebiet.

Eine Schutzerdung (=Schutzleiter) braucht das niederohmige Erdpotential um die Spannung ableiten zu können. Das ist meiner Meinung egal ob Insel oder Netzgekoppelt.

Kreuzerder kostet im Baumarkt €20, Erdungsbandeisen um die €100, sprich alles keine Beträge bei einer solchen Anlage.

Im MP2 Manual gibt es Informationen zu Erdung, PEN Bildung und dem Erdungsrelais, die ich dir sehr ans Herz legen möchte. Sonst findest du im Netz Infos zu den verschiedenen Netzformen.

Auch das PDF " Auswahl und Betrieb von Stromerzeugern auf Bau- und Montagestellen" der BG ist eine gute Informationsquelle.

Denke auch eine Möglichkeit zur Fremdeinspeisung und an den Umgehungsschalter falls du mit externen 230V laden können willst. Schau auch hier wer und wo der PEN gebildet wird.

Schau auch nochmals ob die Akkukapazitäten zu den MP2 Modellen passen.

Bei der großen Inselanlage die ich gebaut habe wurde alles geerdet und es war deutlich komplexer als nur alle Erdpotentiale zusammenzuführen.

Viel Erfolg

Ja, darunter verstehe ich den Kasten, über den ein Haus an ein Stromnetz angebunden ist. In diesem Fall wird das Stromnetz von einem Multiplus aufgebaut.

Die sind so komplex, dass Elektroingenieure regelmäßig darüber streiten …

Guter Hinweis, denn da wird vermutlich schon irgendwann mal ein Stromgenerator zum Einsatz kommen.

Diese beiden Größen haben IMO eher wenig miteinander zu tun. Beides zusammen muss eher zum Lastprofil passen.

Es geht hierbei sogar um zwei voneinander unabhängige autarke Inselanlagen. Ein Bekannter hat ein riesiges Grundstück oberhalb des Gardasees erworben, mit zwei weit voneinander entfernten Häusern drauf, und fragt mich nach der Planung der Inselanlagen. Alles so ca 5 km von der nächsten Stromleitung entfernt.

Es sollte hier wirklich nur um die Erdung gehen. Wie wird das denn in Wohnmobilen gemacht? Erdungsstab geht da ja nicht. Haben die dann keinen FI?

Ich würde einen guten Tiefenerder setzen. Etwas aus V4A und abhängig vom Untergrund ein paar Meter lang.

Daran schließt du eine PAS an, und erzeugst dir damit ein definiertes Erdpotential für alle angeschlossenen Geräte.

Den AC_Out des Multiplus2 bestückst du mit einen RCD und bist somit sicher.

ABER: Da es in Italien ist, gelten ggf. auch andere Regeln. Das hier o.g. wäre für DE Standard.

Ja, da gelten sicher andere Regeln, aber es handelt sich ja um eine völlig autarke Inselanlage, und der Hauseigentümer ist Deutscher. Ich lass’ mir ohnehin von ihm unterschreiben, dass er weiß, dass ich Laie bin und mit italienischen Regeln nicht vertraut, und dass er die Anlage erst nach einer Überprüfung durch einen hinreichend zertifizierten italienischen Elektriker in Betrieb nehmen darf.

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Um meine selbstgestellte Frage noch zu beantworten: Ja, auch im Wohnmobil ist ein FI vorgeschrieben. Sehr gut erklärt wird das IMO in diesem Youtube Video.

Kurz: man hat dabei ja mehr oder weniger ständig wechselnd einmal die Situation der autarken Insel, und dann die des Landstromanschlusses am Campingplatz. Bei der autarken Insel stellt der Victron Multiplus 2 selbst den PE her, indem er die Insel erkennt und sein Erdungsrelais anzieht und damit N und PE verbindet und ein TN-C Netz bereitstellt. Dieser PE muss mit dem Fahrzeugchassis als “Erde” verbunden sein. Beim Landstromanschluss deaktiviert der MP2 diese Verbindung zwischen N und PE, und übernimmt die getrennten PE und N aus dem Landstromanschluss, der (hoffentlich!) ordentlich über einen Erdungsstab geerdet ist. Auch da bleibt der PE im Wohnmobil mit dem Chassis verbunden, so dass das ganze Chassis auf demselben Potential liegt wie der Erdungsstab des Campingplatzes. Im Fehlerfall wird in beiden Fällen der FI zuverlässig auslösen.

Die Elektroinstallationen auf Campingplätzen sehen allerdings recht oft wenig vertrauenserweckend aus. Da sollte man eigentlich immer nach dem Landstromanschluss mittels Test-Taster des FI prüfen.

!!! ACHTUNG !!! !!! ACHTUNG !!! !!! ACHTUNG !!!
Wenn du bei dem FI die Test-Taste drückst, wird lediglich ein Erdschluß SIMULIERT, in dem über einen Widerstand und den Taster ein Stromfluss zwichen Eingang und Ausgang des FI´s erzeugt wird. Dieser Test bestätigt lediglich, dass der FI selbst funktioniert und keinen Fehler aufweist. Er bestätigt nicht, dass die Erdung als solche ordnungsgemäß funktioniert.

Für eine Überprüfung, ob der FI tatsächlich bei einem Fehler gegen Erde funktioniert, gibt es eigene Prüfgeräte um wenig Geld.

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Danke dafür!

Neben dem VA4 Erder braucht man noch den passenden Einschlagbolzen und einen starken Presslufthammer.

Bei 7m hat man so 10 Ohm mit benning IT gemessen. Erder soll ca 1m vom Fundament entfernt sein.

Es geht auch ohne den Erder, aber der ist eigentlich Vorschrift.

FI Schalter im Wohnmobil / Camper | Auch autark nach dem Wechselrichter? Geht das?

Das ist IMMER eine Einzelfallmessung, und der Widerstand wird ausnahmslos immer von der Beschaffenheit des Erdreichs abhängen. Manchmal mag ein Erder von 1 m Länge ausreichen, manchmal müssen es 10 Meter oder mehr sein.

Im Wohnmobil gibt es keinen Erdungsstab, da gibt es, wie schon ausgeführt, das Fahrzeugchassis als Ersatz.

Nun, ganz so einfach ist das nicht. Unter bestimmten Bedingungen funktioniert das, in anderen eher nicht. Um das zu erklären, muss ich leider ein bisserl tiefer in die Materie eingehen. Grundsätzlich ist ein FI (RCD) nichts anderes als ein Summenstromwandler. Das heißt, er misst alle Ströme, welche rein und raus gehen - die Summe muss immer 0 sein, vergessen wir mal die Empfindlichkeit. Sobald irgendwo im Stromkreis die Isolierung defekt ist UND ein Leiter (auch der Neutralleiter) einen Kontakt mit dem PE-Leiter hat, fließt ein Teil des Stromes über den PE-Leiter. Sobald dieser Strom größer als die Empfindlichkeit des FI ist, sagen wir mal 30mA, löst der FI aus. Dies wird bei allen Geräten funktionieren, welche ein Metallgehäuse (zB elektr. Griller, Kochplatte, Waschmaschine usw.) haben und die Leitungen ordnungsgemäß verlegt sind.

Damit jedoch bei allen elektrischen Geräten ein entsprechender Schutz gegeben ist, müssen in dem WoMo auch wirklich alle metallischen Teile geerdet sein, als auch der Rahmen usw., eine metallische Küchenspüle usw. Ein Sonderfall ist eine Kunststoffduschtasse, auch bei dieser muss ein Potentialausgleich zwischen Brause, Armatur und Duschtasse hergestellt werden und an die Potentialausgleichsschiene angeschlosen werden. Sonst kann es passieren, dass der DAU sich in der noch nassen Duschtasse die Haare föhnt und dann plötzlich zu leuchten beginnt ….