3-ph MultiPlus-II + Pylontech: „Low Voltage“ auf L1, BUS-Error 0x800305, Batterie entlädt nicht

Guten Abend liebe VE-Community,

bisher war ich stiller Mitleser und muss gleich vorab gestehen, dass ich relativ neu im gesamten Thema bin und gerade dabei bin, mich “reinzuarbeiten”. Ich habe die Administration des Systems von meinem Vater übernommen, der dies als passionierter E-Techniker in Eigenregie (aber in Zusammenarbeit mit und Abnahme durch einen Elektrofachbetrieb) konfiguriert und installiert hat. Dies war vor ca. 2 Jahren. Im ersten Jahr lief das System soweit auch ohne Beanstandung. Dies änderte sich abrupt, als vor ca. 7 Monaten sich das System in eine Art Lockdown (entschuldigt die technisch wenig fachgerechte Formulierung) begeben hat, und weder die vorhandene PV-Anlage, noch der Batteriespeicher genutzt wurde. Dafür trat ein “Battery Voltage Low” - Fehler an L1 auf. Da ich mit E-Technik wenig(er) zu tun habe, als mein Vater (der das System auch installiert hat), habe ich ihn erst einmal auf das Problem angesetzt. Seitdem wurde bereits die FW auf allen 3 Multis auf Stand gebracht, L1-Multiplus gegen Ersatzgerät [flammneu] getauscht), sowie Verkabelung überprüft und durchgemessen - leider ohne Erfolg. Da mein Vater nicht mehr weiterkommt und auch schon im gesetzten Rentenalter ist, habe ich vor ein paar Wochen beschlossen, ihm unter die Arme zu greifen. Mit Hilfe der Dokumentation meines Vaters, dem Forum und genereller Unterstützung aus dem Internet, habe ich bereits viele Dinge ausprobiert und ausgeschlossen - ich habe aber nun einen Punkt erreicht, wo ich nicht weiter weiß und beginne mich im Kreis zu drehen. Nachfolgend eine Aufstellung und Beschreibung des Systems, sowie der unternommenen Aktionen:

Systemsetup

  • 3-ph ESS mit 3× Victron MultiPlus-II

  • Cerbo GX als Systemcontroller

  • 2× Victron MPPT (PV gesamt ca. 13 kWp, ~40 Module)

  • Pylontech Lithium Batterie, 4 Module, ca. 13 kWh (296Ah)

  • Batterie über CAN-BMS am GX angebunden

  • Netzseitig externer Energiezähler konfiguriert

  • System arbeitet(e) mit ESS-Assistent mit Netzeinspeisung


Aktuelles Verhalten / Fehlerbild

Das System läuft nach einem Neustart zunächst korrekt, zeigt aber später folgendes Verhalten:

  • ESS-Status wechselt nach einiger Zeit auf „Erhaltung / Float“

  • PV-Leistung wird stark reduziert (bis auf ≈0 W, zum Erhalt der Batteriespannung)

  • Hauslast wird dann aus dem Netz versorgt

  • Batterie entlädt nicht, obwohl:

    • SOC = 100 %

    • Entladestromlimit vorhanden (~149 A)

    • Minimum SOC = 20 %

  • Wechselrichterstatus schwankt anfänglich zwischen
    „Ext. Steuerung“ und „Entladen“, bis er sich fest auf “Erhaltung” einstellt

Zusätzlich tritt sporadisch nach Einschalten:

  • „Low Voltage“ Alarm auf L1

  • VE.Bus Fehlercode: 0x800305

  • Fehler erscheint manchmal sofort nach Neustart, manchmal erst nach mehreren Minuten

Erwähnenswert:
Während der Fehler ansteht kann die PV teilweise weiterhin mehrere kW liefern und speist Überschüsse auch ins Netz ein (beabsichtigtes Verhalten). Es erfolgt jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Nutzung der Batterie, um einen Eigenverbrauch > PV-Ertrag zu decken. Das Delta wird dem Netz entnommen.


Beobachtete Werte

  • Batteriespannung laut GX und MPPT: stabil (~52 V)

  • Sustain Voltage: 48.0 V

  • ESS Mode: Optimized

  • Dynamic ESS: ON/OFF (ohne erkennbare Wirkung)

  • Minimum SOC: 20 %

  • Grid setpoint: 0 W (war vorher mal 25W)

  • Einspeisung: erlaubt

Dynamic Cut-off im ESS-Assistant:

0.005C = 52.0 V
0.25C  = 50.0 V
0.7C   = 49.2 V
2C     = 48.0 V


Bisherige Maßnahmen

Bereits durchgeführt:

  • VE.Bus System neu erkennen

  • VE.Bus System neu starten

  • ESS Assistant überprüft / neu aktiviert

  • Dynamic ESS deaktiviert

  • ESS Mode zwischen
    Optimized (with BatteryLife) und
    Optimized (without BatteryLife) gewechselt

  • Dynamic Cut-off Werte geprüft (Standardwerte)

  • DVCC aktiv (Shared Voltage Sense ist „Enforced OFF“ wegen CAN-BMS)

  • Netz-Sollwert > 0 W

  • Kommunikationskabel komplett ausgetauscht und getrennt von stromführender Verkabelung verlegt

Ergebnis:

  • System funktioniert nach Neustart zunächst korrekt

  • fällt später wieder in Float / Erhaltung

  • Batterie entlädt zu keinem Zeitpunkt mehr als ~200-300W (kurzzeitig)


Offene Fragen

  1. Wie passt der BUS-Error 0x800305 mit dem Low Voltage Alarm auf L1 zusammen?

  2. Warum entlädt die Batterie nicht, obwohl:

    • Last vorhanden

    • SOC = 100 %

    • Entladestromlimit vorhanden?

  3. Könnte ein VE.Bus Kommunikationsproblem im 3-ph Cluster (Kabel, Port, Mastergerät L1) dieses Verhalten erklären?


Vermutung

Aktuell vermute ich ein überlagerndes Problem - in den alten Fehlermeldungen konnte ich sehen, dass das Low Voltage Problem bereits 2023 bestanden hat, aber die Warnungen und Alarme hierfür von meinem Vater deaktiviert wurden. Teilweise bin ich hier also “Geistern” hinterher gelaufen, die wahrscheinlich nicht die Ursache für das Verhalten sind, oder dies nur teilweise erklären.

Dennoch hier meine Fragen, auf die ich mir von euch fundierte Antworten erhoffe.

Warum

  • der BUS-Error 0x800305 erscheint

  • System nach VE.Bus Neustart wieder korrekt arbeitet

  • ESS danach aber wieder in Float zurückfällt (aber nicht unmittelbar nachdem Low Voltage auftritt) - bisher habe ich keine “Trigger” hierfür ausfindig machen können


Hinweise oder ähnliche Erfahrungen?

Hat jemand ein ähnliches Verhalten in einem 3-ph ESS mit Pylontech + MultiPlus-II gesehen oder Hinweise, wo ich weiter suchen sollte?

In einem anderen Beitrag hier im Forum habe ich gelesen, dass die Low Voltage Warnugen im DESS Betrieb vernachlässigbar sind und (wie bei uns vorgefunden) deaktiviert werden können / sollten…… das hat mich dann aber nur noch weiter verunsichert / verwirrt.

Wenn weitere Informationen benötigt werden, lasst es mich bitte einfach wissen - aber habt bitte Nachsicht, was mein Know-How & Erfahrung angeht, sowie meine ggf. längeren Reaktionszeit. Dies ist kein Ausdruck von Desinteresse, sondern liegt daran, dass ich beruflich viel auf Dienstreisen bin und auch noch eine eigene Familie zu “bespielen” habe (neben dem Support meiner Eltern).

Vielen Dank vorab an alle, die bis hierhin gelesen haben und ggf. etwas produktives beizutragen haben.

Hallo DoPe,

was hast du den genau für Pylontech? Die CuttOff Werte decken sich jedenfalls nicht mit den „standarteinstellungen“ für Pylontech US Batterien.

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Für ein 3-Phasen-system sind 4 x Akkus recht wenig ..da könnte Überlast eintreten.

Zu Deinem Fehler : hast Du mal die Akkuspannung an ALLEN 3 MPII direkt am Akkuanschluss gemessen? Gibt es dort eingebaute Sicherungen? Die mal testen.

Werden denn von GX-Device alle Akkus erkannt.. was wird dort für eine Spannung angezeigt?

1 Like

Ich hatte ein ähnliches Phänomen als der Akku nicht erkannt wurde.

Hallo Dennibu,

bei unserem System handelt es sich um 4 Module der US3000C-Serie. Vielen Dank für den Link und die Werte - die werde ich mir definitiv mal zu Gemüte führen und ggf. testen. Sollte sich dies in irgendeiner Art und Weise auswirken, werde ich hier darüber berichten.

Hallo Holger,

vielen Dank für deinen Beitrag. Zu der Anzahl der Akkus kann ich keine qualifizierte Aussage tätigen - ich kann nur dagegen halten, dass das System ja über ein Jahr störungsfrei unter “Volllast” (bzw. ohne bewusste Schonung) lief, und dabei schon mit 11-12kW Solarertrag & 7-8kW angefallener Lasten umgegangen ist.

Die Akkuspannung wurde, bevor umfangreichere Maßnahmen (wie z.B. der Invertertausch- L1) durchgeführt wurden, mehrfach direkt an den Anschlüssen gemessen und haben dabei keine signifikanten Abweichungen (~max 0,05) untereinander oder zur Batterie ergeben. Daher war für uns die FM anfänglich auch absolut nicht plausibel.

Die GX-Device erkennt die Akkus alle einwandfrei und gibt auch einen störungsfreien Betrieb an:

Batteriespannung aktuell:

Ggf. blöde frage, aber hast du den MinSOC in den Einstellungen mal gecheckt? Kommt im VRM Portal eine ESS# Nummer bei der Batterie die auf etwas hinweisen könnte? Ich weiß noch nicht warum aber ich hatte es ein paar mal, das der MinSOC auf 95% gestellt wurde und daher die Batterie nicht entladen hat. Ggf. ist bei dir was ähnliches vorgefallen?

Ich kann mich dennibu nur anschließen. Die konfig von dir ist Falsch bei Dynamik cut off, der muss komplett auf 46v eingestellt werden.

0.005C = 46.0 V

0.25C = 46.0 V

0.7C = 46.0V

2C = 46.0 V

Haben auch alle Multiplus die gleiche FW. und die selbe konfig?

Ich selbst habe auch ein Anlage mit pylontech aber solche Probleme noch nicht gehabt.

Es gibt keine blöden Fragen :wink:

Das Phänomen, dass sich MinSOC plötzlich auf einen wesentlich höheren Wert stellt, hatten wir auch bereits. Aktuell steht er aber 25% (sicher & geprüft). Ich habe aber inzwischen neue Erkenntnisse, die ich gleich in einem anderen Post zusammenfasse.

Hallo liebe Mitleser,

so langsam robbe ich mich an das Problem ran, und möchte euch den letzten Stand geben:

  • durch die Anpassung der Cut-Off Limits und Werte für die US3000C, scheint der Low-Voltage Alarm eliminiert worden zu sein (keine Meldung im Log seit gestern Abend)
  • das Verhalten, dass die Batterie so gut wie gar nicht (0-300W) entlädt, blieb davon jedoch unangetastet bestehen
  • durch die geringe Entladeleistung wurde die Batterie jedoch trotzdem auf 90% entladen - womit sich der bisherige Eindruck, dass die Batterie GAR NICHT entlädt bzw. auf 100% gehalten wird, auch nicht bestätigt hat

Daraufhin bin ich nochmal durch alle Einstellungen und Parameter in der Cerbo-GX gegangen, auf der Suche nach einem Verursacher / Begrenzer für dieses Verhalten. Das gesetzte Discharge-Current Limit lag bei ~140A - generell DARF die Batterie also mit mehr Leistung entladen werden, aus irgendeinem Grund wird es aber nicht genutzt.

Nun wird es wild:
Als ich, gefühlt zum 100. Mal, im ESS-Menübereich war, tauchte plötzlich eine (fast vergessene) Einstellmöglichkeit zur Nutzung des Batteriespeichers auf - “Nur kritische Laste” o. “Alle Lasten”. Diese stand auf “Nur kritische Lasten”, was ich umgehend auf “Alle Lasten” geändert habe. Und siehe da - die Batterie entlädt, oh Wunder, wieder mit Volldampf. Was aber aber komisch ist: diese Einstelloption ist umgehend nach Aktivierung “Alle Lasten” wieder komplett verschwunden. Sie war auch die letzten 99 Besuche des ESS-Menüs garantiert nicht vorhanden! Ich erinnere mich nun auch, dass früher (vor einem halben Jahr) in der Übersicht die Lasten zwischen “kritisch” und “AC-Lasten” gesplittet waren. Nun gibt es nur “AC-Lasten”. Woran dies liegt kann ich gerade nicht weiter prüfen, da ich keinen Zugriff auf meinen Laptop mit VEConfig habe.

Bevor mich Leute nun virtuell steinigen, möchte ich nochmal zu Bedenken geben, dass ich das komplette System, ohne jegliche Einführung oder Vorerfahrung übernommen habe. Ich kann leider auch nicht mehr nachvollziehen, was mein Vater zwischenzeitlich in seiner Verzweiflung / Ratlosigkeit alles probiert & geändert hat, und was der ursprüngliche Auslöser für das Kernproblem dargestellt hat.

Rundum - aktuell tut die komplette Anlage wieder halbwegs, was von ihr erwartet wird - ich muss nun allerdings noch in Erfahrung bringen, wie ich die Einstellmöglichkeit “Nur kritische Lasten” vs. “Alle Lasten” sichtbar bekomme, bzw. wie ich den Split “kritische Lasten” & “AC-Lasten” wieder angezeigt bekomme. Anscheinend erkennt der Inverterverbund die unterschiedlichen Lasten nicht, oder sind wegkonfiguriert…

Die Einstellungen erscheinen nur wenn „Wechselrichter Ausgang in Betrieb“ oder so ähnlich aktiviert ist. Je nach Firmware. Ist auch reine Anzeige und Betechnungssache, der Ausgang ist immer in Betrieb nur die Anzeige der kritischen Lasten und die Einstellmöglichkeiten für ACin und/oder Out verschwinden.

Okay, somit setzt sich das letzte Puzzleteil zusammen. Du hattest Recht, folgende Einstellung muss aktiviert werden:

Dann erscheint im ESS:

Ist halt schon etwas ärgerlich, wenn diese Option nur in bestimmten Konstellationen eingeblendet wird, dann aber doch so essenziell ins System eingreift. Dann war es purer Zufall, dass der Menüpunkt zwischendurch mal eingeblendet wurde,… zumindest bin ich immens aufgeschlaut aus der ganzen Problematik rausgegangen.

Vielen Dank an alle, die mich in dieser Thematik unterstützt haben!

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