Verliere den Arbeitspunkt

Hallo community!

Ich verwende einen Victron SmartSolar MPPT 75/15 an einem 130 Watt Solarpanel in Verbindung mit einer 100 Ah LiFePo4 Batterie von ecoworthy.

Ich beobachte in letzter Zeit folgendes Verhalten: wenn die Batterie relativ voll (bspw. 13,3V, 90% SoC) geladen ist, lässt sich keine Solarleistung abrufen - die Solarspannung schwankt zwischen 16 und 20 Volt, allerdings fließt kein Strom. Erst, wenn ich das Solarpanel komplett abklemme, einen Verbraucher wie eine Glühbirne anschließe und das Panel dann wieder an den Regler anschließe fließt auf einmal Strom, so, als hätte ich den Arbeitspunkt resettet. Dann lädt auch die Batterie und Verbraucher werden direkt vom Panel bedient.

Ich glaube, ich kann ausschließen, dass ein defekter Regler vorliegt - ich habe ihn schon ausgetauscht und nun auch die Batterie, die ich auch im Verdacht hatte. Das Panel scheint ja Leistung zu liefern, so dass ich auch daran glaube, dass die Verkabelung und das Panel grundsätzlich funktionieren. Meine Vermutung liegt jetzt an der Frage ob der Arbeitpunkt im Regler irgendwie verloren gehen könnte (?)

Ist dieses Problem bekannt und gibt es eine einfachere Möglichkeit als den von mir beschriebenen Reset? Danke für die Hilfe!

Beste Grüße

Ken

Laut Datenblatt muss die PV Spannung mindestens 5V über der Batteriespannung sein, damit der mppt arbeiten kann.

Das klingt für mich weniger nach „verlorenem Arbeitspunkt“ und eher nach zu wenig Spannungsreserve am PV-Eingang.

Beim 75/15 muss die PV-Spannung zum Starten laut Victron über Batteriespannung + 5 V liegen; danach reicht Batterie + 1 V. Wenn die LiFePO4 also schon bei ca. 13,3 V steht, muss das Panel zum Wiederanlauf grob über 18,3 V liefern. Ein einzelnes 130-W-„12-V“-Panel liegt unter Last, bei Wärme oder leichter Verschattung schnell in genau diesem Grenzbereich. Dann sieht man zwar 16-20 V Leerlauf-/Suchspannung, aber der Regler startet nicht sauber in die Ladung.

Dass es nach Abklemmen + Verbraucher wieder geht, passt dazu: der Verbraucher zieht die Batteriespannung etwas herunter und beim Wiederanstecken hat der MPPT wieder genug Abstand zum Starten.

Ich würde prüfen:

  • In VictronConnect im Verlauf/Status schauen, ob der Regler wirklich in Bulk/Absorption/Float geht oder eher „off“/keine Ladung zeigt.
  • Test bei niedrigerem Akku-SoC machen, z.B. deutlich unter 13,2 V Ruhespannung.
  • Paneldaten ansehen: Vmp und Voc. Wenn Vmp nur um 18 V liegt, ist das bei voller LiFePO4 sehr knapp.
  • Testweise mit einem Panel mit höherer Spannung bzw. passender Serienschaltung arbeiten, aber nur wenn Voc bei Kälte sicher unter der 75-V-Grenze des Reglers bleibt.

Kurz: vermutlich kein Defekt und kein „Reset“-Problem, sondern ein etwas knapp ausgelegtes einzelnes Panel für eine fast volle 12-V-LiFePO4 am MPPT.

Oder der Regler schaltet in Float um und das Re-Bulk hat noch nicht begonnen. Der Regler kann das ja nur anhand der Spannung machen, die Batterie wird ja nicht mit dem Regler kommunizieren?

Was hast du also eingestellt im MPPT?

Danke euch, das klingt schon mal sehr sinnvoll. In der Tat ist es (aber das würde ich noch gerne verstehen), dass die Solarspannung in diesem Zwischen-Zustand um den kritischen Bereich herum schwankt - aber das trotz voller Sonne und blauem Himmel. Meine Vermutung wäre, dass die Spannung irgendwie einbricht, wenn der Regler - der übrigens auf bulk steht - loslegen möchte. Warum - keine Ahnung.

Was ich auch nicht verstehe: die Glühlampe (Scheinwerferlicht) halte ich nur eine Sekunde dran, das dürfte eigentlich nicht die Spannung der Batterie signifikant verändern. Und ein Panel “merkt” sich ja auch keinen Zustand, der Regler bekommt das ja auch nicht mit. Was könnte dieser Reset denn noch auslösen?

Vorhin mal beobachtet, dass das Panel auch bei ~90W bei schräger Morgensonne nur um die 17-18V anliegen hat. Daher scheint die Vermutung schon sinnvoll, dass ich hier öfter im kritischen Bereich bin, aber stellenweise klettert die Spannung (so gestern) auf deutlich über 20V (und das Panel lieferte danach auch ordentlich Leistung). Die +5V kriegt das Panel also schon hin, nur nicht dauerhaft (aufgrund des beschriebenen Schwankungsverhaltens, das wie erwähnt nach meinem “Reset” nicht mehr auftritt).

Die verwendeten Einstellungen ist das Standardpreset für LifePO4 - 13,5V Float, 14,2V Absorption.

Bisschen seltsam: in der History sehe ich unter Vmax durchaus mal 15,4V Batteriespannung, die ich aber so nie in der Victron app beobachte. Möglicherweise ein Effekt des Votronic-Ladeboosters?

hallo,

massgeblich ist die hoehe der leerlaufspannung in bezug zur akkuspannung. es ist ja nur die startspannung. wenn der mppt einmal arbeitet, dann arbeitet er auch weiter, wenn das modul verschattet wird oder er die pv-spannung bis fast auf die akkuspannung runterzieht! die pv-spannung darf aber nie unter die akkuspannung + ca. 1V (mal geschaetzt, kann aber auch etwas weniger sein) fallen, dann schaltet der mppt ab.

tschuess

Wenn der Laderegler evtl. auch nur gelegentlich eine höhere Spannung anzeigt als die Batterie während dem Laden spricht das eher für einen schlechten Kontakt zwischen MPPT und Batterie. Oft sind DC Schalter oder Sicherungen der Auslöser.

Danke für die Hinweise! Ist schon etwas seltsam, dass die Leerlaufspannung so stark schwankt, so herrschten heute deutlich über 20V, aber aufgrund des Winkels nur ca. 30W kamen rein. Gibt es denn Panels, die bei gleicher Größe andere Leerlaufspannungen haben?

Und die Verbindung werde ich nochmal prüfen, was den Spannungsunterschied angeht - vermute aber dennoch, dass hier der Votronic eine Rolle spielt. Danke!

hallo,

gleich grosse module kannst du durchaus mit leerlaufspannungen von 17V bis 100V oder auch mehr bekommen.

aber was nicht standard ist, ist teuer.

tschuess

Da die PV-Spannung so knapp über der Batteriespannung liegt, wird hier die Temperatur des Solarmoduls eine große Rolle spielen. Darauf deutet auch der Umstand, dass es vormittags bei geringerer Einstrahlung funktioniert - da ist das Modul noch halbwegs kühl. Knallt die Sonne mittags optimal auf die Fläche, dann kann man sich fast die Finger am Modul verbrennen (besonders bei Windstille und höherer Umgebungstemperatur). Dann bricht die PV-Spannung entsprechend ein.

Eine andere Möglichkeit ist eine unbalancierte Batterie. Hat eine Zelle die volle Ladespannung erreicht sperrt das BMS die Ladung und nach kurzer Belastung mit z.B. Glühlampe wird die Ladung wieder freigegeben. Nach kurzer Ladedauer sperrt das BMS natürlich wieder wegen der vollen Zelle. Das sieht man nur wenn man Zugriff auf die einzelnen Zellspannungen hat (BMS mit Bluetooth oder anderer Datenübermittlung).