Hallo zusammen,
Für den DC Bereich gibt es ja auch noch die MCC B Sicherungen. Hat jemand diese Sicherung bei sich verbaut insbesondere zwischen Batterie und Busbar beziehungsweise Multiplus? Vorteil, den ich sehe, ja normal das Schutzschalter kann die Sicherung wieder verwendet werden. Gibt es Nachteile, kann jemand näheres dazu sagen?
Das hängt wohl von der Ausgangskonfiguration ab, was wirklich besser ist und welches DC Trennvermögen wirklich gebraucht wird.
Bei den meisten wird wohl die Bequemlichkeit siegen. An- und Ausschalten per Schalter ist sicherlich komfortabler als eine durchgebrannte Sicherung zu wechseln.
Unter Vorbehalt, da nur sehr selten gelesen: Beim MCCB soll wohl irgendwann die Feder schwach werden und das erhöht dann den Übergangswiderstand. Aber gegen Überhitzung haben alle MCCBs einen integrierten mechanischen Bimeltallstreifen.
Ich selber habe auch eine zusätzliche MCCB 160 A Sicherung für das gute Gewissen und mit zusätzlichem Motor, der sich AC oder auch DC ansteuern lässt. Hier kann man sich in der victron Relaisansteuerung oder auch über NodeRed Schwellwerte oder von victron überwachte Parameter für eine Backup-Notabschaltung überlegen, wenn z.B. der MP wegen eines Fehlers mal dauerhaft auf Kurzschluss geht und zugleich das BMS durchglüht und in der Metallschmelze eine neue Dauerverbindung bildet und der Kurzschlusschrom wegen z.B. niedrigem Akkustand unterhalb der Auslöseschwelle ist.
Ansonsten wäre noch ein Vorteil, dass man tatsächlich im Notfall unter Last gefahrlos ausschalten kann ohne das ein Funken stehen bleibt. Die MCCBs haben ja eine separate Funkenlöschkammer. Wenn man zufällig daneben stehen sollte, wenn aufgrund von irgendeinen Fehler die ersten Rauchzeichen aufsteigen will man auch nicht unbedingt unter Last die steckbare bzw. trennbare DC-Verkabelung trennen.
Es ist also ein Backup vom Backup, wenn drei Fehler gleichzeitig auftreten und die vierte Schutzinstanz noch größeren Schaden wie Brand verhindern soll. So eine PV-Anlage wird immerhin fast täglich unter Volllast und nicht selten über 10, 20 oder 30 Jahre bis zum Ausfall oder Abrauchen genutzt.
Ich habe einen 2-poligen DC MCCB 125A von Taxnele zwischen Busbar und Multiplus II eingebaut, dessen beide Kontakte parallel geschaltet sind. Damit kann er 250 A tragen, allerdings bleibt es bei der 50 kA Kurzschlussfestigkeit von einem Kontakt. Ich habe mich natürlich vorher von dem soliden Innenaufbau des Schalters überzeugt. An den Löschkammern gibt es nichts zu bemängeln und die Kontakte haben aufgelötete Silberlegierungs-Plättchen. Der Durchgangswiderstand beträgt pro System etwa 0,8 mOhm, durch die Parallelschaltung habe ich ca. 0,4 mOhm.
Die Auslösecharakteristik konnte ich nicht testen, aber im System liegen noch Schmelzsicherungen in jedem Batteriekreis und das BMS der Batterien sollte bei Kurzschluss auch trennen. Mein Batterieblock könnte 700 A Dauerstrom liefern bis die zwischengeschalteten Strangsicherungen nach etwa 10 Sekunden ansprechen und der Spitzenstrom liegt bei etwa 7,8 kA (BMS Kurzschluss-Ansprechwert) oder max. 9 kA durch die Innenwiderstände der Batterien und die Verdrahtungswiderstände.
Typisch deutsch. Eine Sicherung für die Sicherung und das Ganze noch mal abgesichert. Ich denke da geht noch mehr.
Das hat nicht unbedingt etwas mit “typisch deutsch” zu tun.
Die meisten wissen es einfach nicht, warum man welche Verbauweise wählt oder werden halt nur aus eigenem Schaden klug. Wenn man das weiß. dass eine weiteres Schutzorgan keine 50 € kostet, in nicht einmal einer Stunde eingebaut ist, Jahrzehnte genutzt wird und mithilft, einen Hausbrand mit weitaus höheren Kosten zu vermeiden, dann denkt man darüber nicht groß nach, sondern baut es einfach zusätzlich ein.
Das hat etwas mit Betriebssicherheit über Jahrzehnte zu tun. Kaum einer überprüft regelmäßig im laufenden Betrieb Sicherungen und misst sie durch ob sich deren Widerstand durch Verschleiß erhöht hat und sich ein “baldiger” Tonausfall droht.
Begnügt man sich mit der victron Mindestvorgabe, dann kommt nur eine ca. 80 Ampere ANL Sicherung rein.
Diese vielen Diskussionen, Überlegungen zur Erhöhung der Betriebssicherheit und fast schon unendlich vielen YT-Videos mit Experimenten gibt es ja nur, weil bereits mehreren deutschen (bei anderen weiß ich es nicht) PV-Betreibern das Haus abgebrannt ist. Ursache: stehen gebliebener Lichtbogen einer durchgebrannten ANL-Sicherung, der so lange gekokelt hat bis es brannte. Also ANL durch sandgefüllte Keramik Sicherungen von z.B. Adler ersetzen. Das ist wie die Schwertsicherungen im HAK unempfindliche Bauerntechnik, die als aller letzte Sicherungsmaßnahme dient.
Der MCCB basiert auf elektrischer bzw. magnetischer Technik was die Kurzschschlusssicherung angeht und auf mechanischem Bimetallstreifen was den Überhitzungsschutz angeht. Also auch noch relativ störunempfindlich.
Das BMS ist als halber Computer rein elektrisch und auf Softwarebasis mit allen möglichen weiteren Steuerungs- und Schutzmechanismen ausgestattet UND im Vergleich zu den zwei zuvor genannten Sicherungen fragil. Vorteil ist, dass dieses für den Kurzschlussfall sehr schnell arbeitet. Es schaltet schneller ab als eine ANL durchbrennen kann und abreitet sogar noch schneller als die ohnehin schon sehr schnelle magnetische Kuzschlusssicherung der MCCBs.
Es hat also durchaus alles seine Berechtigung.
Wo du es schon ansprichst, was ist von NH000 zu halten? Die sind weit verbreitet, gibt es auch in “nur” z.B. 80A, haben Trennvermögen von 25kA DC und sind auch bis 250VDC freigegeben. Sowohl die Sicherungen als auch die Halter sind gut verfügbar und zudem günstig.
Die Adler EF3 gibt es, soweit ich weiß, erst ab 150A und sie kosten das Dreifache (wobei hier der Preis dennoch überschaubar ist).
Ich hab mal gelesen, dass die NH000 einen größeren Übergangswiderstand haben sollen, - weiß jemand mehr dazu?
Die NH000 gibt es auch bis 125A (z.B. SIEMENS) https://cdn-reichelt.de/documents/datenblatt/D700/3NA38328_DATASHEET_DE.pdf und den Widerstand kann man sich aus Verlustleistung bei Nennstrom leicht ausrechnen: R=P/I²
Konntest Du den MCCB sonst quälen, testen, belasten? Ich frage nach weil ich die einpolige Version einsetze und mich interessiert ob die Qualität bzw. die aufgedruckte Sicherheitsleistung einigermaßen passt/eingehalten wird.
Ich hatte vorher im Werksauslieferungszustand andere MCCBs im System wo die Aufdrucke recht fragwürdig waren und Datenblätter nicht beschaffbar. Die Taxnele sind dahingehend besser vom Hersteller aufgestellt, aber interessiert mich natürlich trotzdem hier auch praktisch etwas in die richtige Richtung getan zu haben.
Danke vorab fürs Feedback.
Ich habe den MCCB als Trennschalter zwischen 24V-Batterien und MultiPlus-II 24/3000/70-32 GX im Einsatz und natürlich auch schon mehrfach von Hand betätigt. Er ist durch die Parallelschaltung der zwei Systeme für meine Betriebsströme etwa 2-fach überdimensioniert und hat sich daher in keiner Weise negativ bemerkbar gemacht. Ein einpoliger mit 125A wäre gerade so ausreichend gewesen, ich wollte aber Kontakterwärmungen und Spannungsabfällen vorbeugen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich beim Wechselrichter irgendwann aufrüsten muss. Jetzt bewusst zum Test einen Kurzschluss herbeizuführen um eine Auslösung zu provozieren halte ich für überzogen. Das kostet mich dann vielleicht auch noch die 7 Schmelzsicherungen der Batteriestränge und so viele Reserven habe ich momentan nicht.