Steuerung von nicht Victron AC-PV Wandlern (APsystems)

Ich hab dazu mal eine Verständnisfrage. Wenn der AC-PV Wechselrichter mehr Strom liefern könnte als der Multiplus gerade braucht, dann ist das schädlich.

Kommt der Strom aber aus dem Netz, das ja viel mehr Strom liefern kann, dann passiert nichts.

Wie bringt der AC-PV den Multiplus dazu, mehr Strom abzunehmen als er braucht?

Umgekehrt! Der Multiplus erhöht die Frequenz wenn er den Strom nicht los wird. Zum Beipiel wenn er nicht am Netz ist und die Batterie voll wird. Bei erhöhter Frequenz wird der AC-PV abgeregelt und liefert nicht so viel

Im Grunde kannst du dir Strom wie Wasser vorstellen, wobei die Spannung der “Höhe des Wasserspiegels” oder dem “Druck” entspricht.

Wasser fließt immer Bergab, der Strom immer von der höheren Spannnung zur niedrigeren.

Der Multi entscheidet anhand der Netzspannung, welche Spannung er selbst erzeugt - und damit ob Strom rein oder raus fließt.

Ein ACPV Inverter tut das Gleiche - Nur ist sein erklärtes Ziel, dass er unbedingt einspeisen möchte. Er hebt also die Spannung immer höher als “sein Netz” (dein Hausnetz) um das zu erreichen.

Der Multi sucht sich jetzt im Netzbetrieb einen Spannungspunkt zwischen PV Inverter und Netz, sodass der Strom entweder ins Netz oder zum Multi fließt, wie er es gerade möchte. Nur ohne Netz ist der Multi die einzigste “Sink”, es wird also zwangsläufig alles in ihn reingedrückt, was der ACPV Inverter mit seiner Spannungsüberhohung abgibt.


Ich wohne am Ende unseres Neubaugebiets, reichlich PV Anlagen überall. An sonnigen Tagen wie heute, müssen meine Inverter schon auf 250V gehen, damit ein Abfluss ins Netz überhaupt entstehen kann - weil natürlich jede PV Anlage im ganzen Gebiet auch immer etwas höher als die Anlagen auf dem Weg zum Mittelspannungseinspeisepunkt gehen muss.

Liefert der AC-PV Inverter ohne Netz nicht eine fest eingestellte Spannung? Aus welchem Grund sollte er die Spannung erhöhen? Es ist doch keine andere Spannung mehr da, die er übertrumpfen muß. Und Strom irgendwo reindrücken geht schon mal gar nicht, bis jetzt bestimmen immer noch die Verbraucher wieviel Strom sie abnehmen.

Der Multiplus arbeitet bei “zuviel” AC-Solar doch nur als Ladegerät, also als Verbraucher. Und wenn der Akku voll ist, nimmt er keinen Strom mehr auf, egal wie hoch die Eingangsspannung steigt.

genau deshalb würde er zerstört werden, wenn er den AC-Wechselrichter nicht Frequenzerhöhng steuern würde. Ein AC Wechselrichter erzeugt keine feste Spannung. Er liefert so viel er kann, allerdings mit einer Höchstgrenze für Spannung und Strom.

Der PV Imverter weiß nicht, dass nicht genug Verbrauch da ist, er merkt nur, dass er seine 8000W Generatorleistung gerade auf der AC Seite nicht los wird, erhöht also so lange die Spannung, bis das augenscheinlich klappt.

Dabei würde unweigerlich die Netzfrequenz des Inselnetzes unkontrolliert steigen - bis sich der PV Inverter selbst in seine Abschaltgrenze getrieben hat.

Dann würde Spannung und Frequenz wieder fallen, der Inverter den Betrieb wieder aufnehmen und das Spiel von neuem beginnen.

Im Besten Fall. Im Schlimmsten Fall ist der unkontrollierte Frequenz Anstieg so schnell und hoch, das Geräte anfangen Schaden zu nehmen.

Daher ist der Multi bestrebt die Frequenz unter seiner Kontrolle zu halten, und einem “Runaway” weil zu wenig Verbrauch kann er nur entgegenwirken, indem er Verbrauch erzeugt, also die Batterie überlädt.

Das ist im übrigen auch der Grund für die Faktor 1 Regel bei AC Coupling: Gäbe es mehr Erzeugerleistung, als der Multi aufnehmen kann, kann er die Frequenz nicht unter Kontrolle bringen, weil er nicht genug “Verbrauch” erzwingen kann.

Ein wichtiger Unterschied ist eben, dass ein ACPV Inverter keine Spannungsquelle, sondern elektrotechnisch gesprochen eine Leistungsquelle ist. Er will die 8000W liefern, egal wohin die Spannung und/oder Frequenz gehen.

Wer hat sich denn den Schwachsinn ausgedacht. Das würde ja bedeuten, wenn ich den AC-PV Inverter solo betreibe, würde jedes Gerät, das ich da anschließe sich in Rauch auflösen, weil es keine 8000W abkann. Und wenn ich keine Last anschließe, löst sich dann der Inverter selber in Rauch auf?

Für eine Leistungsquelle gilt also nicht, das ihre Spannung und der Widerstand des Verbrauchers den Strom und damit die entnommene Leistung bestimmen. Welches mir unbekannte Gesetz kommt da zur Anwendung.

Ohne Last geht dann die Spannung also gegen unendlich.

Wie gesagt, ich versteh das einfach nicht. Jeder “normale” Solarregler hört auf Strom zu liefer wenn der Akku voll ist, egal wieviel Strom die Module liefern könnten. Der wird dann einfach nicht abgerufen. Wenn der AC-PV Inverter das nicht kann, ist er eine Fehlkonstruktion, die ich mir dann nie kaufen würde.

Nein, weil ein AC PV Wechselrichter nicht ohne ein anliegendes “Netz” startet.

Ein MPPT hat eine einprogrammierte Ladekurve, ein PV Wechselrichter nicht.
Ein PV Wechselrichter versucht immer die komplette zur Verfügung stehende PV Leistung ins Netz zu drücken.

Wenn die Anlage richtig ausgelegt und eingestellt ist, dann nicht.
Der MultiPlus hebt dann die Frequenz leicht an und der PV Wechselrichter regelt dann runter (weil er dafür programmiert ist).

Wenn die Faktor 1.0 Regel nicht eingehalten wird und/oder der MultiPlus nicht richtig programmiert ist, wird der MultiPlus im besten Fall nur wegen Überlast abschalten, es kann aber auch zu Beschädigungen kommen.

Ah ok, ich muß also die Regelung andersrum denken. Das heißt dann aber auch, daß ich mit einem AC-PV Wechselrichter keine Nulleinspeisung machen kann.

Ich glaub, so langsam komm ich dahinter. Für meine kleine Anlage reichen zum Glück MPPTs, so daß ich mich damit nicht rumschlagen muß.

Das geht schon, erfordert dann aber eine ModBus-Steuerbarkeit des Wechselrichters (SunSpec allgemein aber auch Fronius), da im netzgekoppelten Betrieb FrequencyShifting logischerweise nicht zur Verfügung steht, sondern feste 50Hz vorliegen.

Und die kann man ohne Netz nicht verwenden? Währe die nicht effektiver als das FrequencShifting?

Danke analle für den interessanten Austausch.

Ja, es ist nicht immer direkt so offensichtlich, von wo nach wo Energie ausgetauscht wird und warum. Ver Verbraucher und wer Erzeuger ist, gerade weil die Rollen sich recht schnell änder können.

Mir hilft da immer ein Flussdiagramm für die einzelnen Zustände.

Vertrauen in eine Anlage bringen dann die entsprechenden Szenarien einmal in die Praxis umzusetzen.

An der Stelle noch mal Danke an @dognose für die Unterstützung. Ich hoffe nun alle Szenarien einmal getestet zu haben. Mal schauen, vielleicht mache auch mal einen längeren Test (eine Woche) um zu sehen ob die Anlage bei normalen Wetter auch richtig dimensioniert ist und uns über Wasser hält, wenn der Provider nicht da ist. Beim aktuellen Wetter ist das ja eher keine Herausforderung.

Modbussteuerung erfordert halt jede Menge 3rd Party Komponenten die reibungslos funktionieren müssen. (Wifi Accesspoint, Router, Switche, ja im Grunde sogar das 5V Netzteil des Routers) und damit verbunden auch störungsfreien Betrieb aller evtl. Involvierten Softwaren (DNS, DHCP, Firewalls usw usw.)

Bei Frequencyshifting is das alles raus.

Am Ende hilft halt alles nix, wenn ein notwendiges Throttling fehlgeschlagen ist, “weil grad zufällig ein Netzwerkloop für einen Broadcaststorm sorgte und die Kommunikation dadurch nicht durchkam”.

Ja, das ist schwarzmalen, aber Murphys Law kommt nicht von ungefähr. Für höchste Ausfallsicherheit gilt nunmal das KISS-Prinzip (Keep It simple and stupid), die gesamte Fehlerwahrscheinlichkeit eines Systems ist immer das Produkt aller Einzel-Ausfallwahrscheinlichkeiten.

Bzgl der Frequenzsteuerung…

Alle „modernen“ Erzeuger müssen sich darüber steuern lassen. Beim Hochfahren der Leistung ist die Steilheit der Flanke definiert. D.h. sie dürfen die Leistung nur langsam steigern.
Daher kann der MP2 die Leistung der AC-PV über die Frequenz kontrollieren.

Er beginnt bereit vor 100% SoC die Frequenz zu erhöhen.

Bei meinen Test mit gemischtem
System aus AC-PV und MPPT hat er die AC-PV durch Frequenzerhöhung grob/träge gedrosselt und per MPPT fein/schnell nach gesteuert z.B. bei Lastwechsel und Wolken.