Probleme mit Victron + Biwatt Nest R2 (Sodium-Ion) – MPPT regeln ab, keine volle PV-Einspeisung

Hallo zusammen,

wir sind ein Elektrofachbetrieb und haben mittlerweile mehrere Victron-Anlagen mit Biwatt Nest R2 Sodium-Ion Batterien umgerüstet, nachdem die ursprünglich verbauten FZsonic-Speicher (Innov Energy / Salidomo Systeme) ausgefallen sind.

Die Anlagen bestehen typischerweise aus:

  • 3 × MultiPlus-II 48/3000
  • Cerbo GX
  • 2 × Victron MPPT 450/100 bzw. teilweise 450/200
  • Carlo Gavazzi EM340 / EM360
  • Biwatt Nest R2 Batteriesysteme (2 bis 4 Batteriemodule)

Bei mehreren Anlagen beobachten wir ein sehr ähnliches Verhalten.

Ziel der Anlagen

Eigentlich möchten wir das klassische Verhalten erreichen:

  1. PV versorgt die Hauslast
  2. Überschuss lädt die Batterie
  3. Ist die Batterie voll, wird der verbleibende Überschuss ins Netz eingespeist

Also genau so, wie man es von Fronius, Fenecon, Sungrow usw. kennt.

Aktuelles Problem

Sobald sich die Batterie dem oberen Ladezustand nähert bzw. voll ist, beginnen die MPPTs teilweise massiv abzuregeln.

Dabei beobachten wir:

  • PV-Leistung fällt trotz voller Sonneneinstrahlung deutlich ab
  • MPPTs gehen teilweise auf sehr geringe Leistungen zurück
  • zeitweise entsteht der Eindruck einer Nulleinspeisungsregelung
  • die Batterie wird teilweise nicht vollständig geladen
  • vorhandene PV-Leistung wird nicht ins Netz abgegeben

Beispielsweise stehen bei strahlendem Sonnenschein 7–9 kW PV-Leistung zur Verfügung, die MPPTs liefern aber zeitweise nur einen Bruchteil davon.

DVCC

Besonders auffällig ist, dass die Probleme stärker auftreten, sobald DVCC aktiv ist.

In mehreren Anlagen haben wir deshalb testweise DVCC deaktiviert.

Danach wirkt das Verhalten teilweise deutlich besser:

  • MPPTs schlafen weniger ein
  • PV-Erzeugung wirkt stabiler
  • Netzeinspeisung funktioniert häufiger wie erwartet

Allerdings ist uns bewusst, dass dies nicht der von Victron vorgesehene Betriebsmodus ist.

Aktuelle Einstellungen

MPPT:

  • Absorption: 57,5 V
  • Float: 55,0 V
  • Equalize: deaktiviert

MultiPlus:

  • Sustain: 38 V

Batteriekommunikation erfolgt über CAN-Bus.

Typische vom BMS gemeldete Werte:

  • CVL ca. 59,2 V
  • CCL ca. 75 A
  • DCL ca. 200 A

Unsere Fragen

  1. Ist dieses Verhalten bei Sodium-Ion Batterien bekannt?
  2. Kann das BMS über DVCC die MPPTs so stark begrenzen, dass praktisch keine PV-Leistung mehr erzeugt wird?
  3. Gibt es eine empfohlene Konfiguration für Biwatt Nest R2 Batterien?
  4. Wie kann erreicht werden, dass überschüssige PV-Leistung zuverlässig ins Netz eingespeist wird, anstatt dass die MPPTs abregeln?
  5. Gibt es bekannte Wechselwirkungen zwischen Biwatt-BMS und DVCC?

Wir haben inzwischen mehrere Anlagen mit identischem Verhalten und würden gerne eine saubere, herstellerkonforme Lösung finden.

Vielen Dank für eure Unterstützung.

Nachtrag / Verständnisfrage:

Was ich an dem Verhalten grundsätzlich nicht verstehe:

Wenn in ESS die DC-gekoppelte PV-Überschusseinspeisung aktiviert ist, sollte das System meiner Meinung nach unabhängig vom Batteriestatus weiterhin die verfügbare PV-Leistung der MPPTs nutzen und den Überschuss über die MultiPlus-II ins Netz einspeisen.

Wenn die Batterie voll ist oder das BMS über DVCC keine bzw. nur noch geringe Ladeleistung zulässt, ist nachvollziehbar, dass nicht weiter in die Batterie geladen wird.

Nicht nachvollziehbar ist für mich aber, warum dadurch die MPPTs insgesamt heruntergeregelt werden, anstatt die überschüssige DC-PV-Leistung über den DC-Zwischenkreis und die MultiPlus-II ins AC-Netz abzugeben.

Die ESS-Einstellung „DC-gekoppelte PV-Überschusseinspeisung“ ist ja genau dafür gedacht, oder verstehe ich diese Funktion falsch?

Anders formuliert:

Warum beeinflusst die Batterie bzw. das BMS über DVCC offenbar die gesamte MPPT-Leistung, obwohl Netzeinspeisung ausdrücklich erlaubt ist?

Gibt es eine Bedingung, unter der Victron trotz aktivierter DC-gekoppelter Überschusseinspeisung die MPPTs begrenzt, sobald CVL/CCL vom BMS reduziert werden?

Genau diesen Zusammenhang würden wir gerne verstehen.